FLECHTEN, MOOSE & FARNE
(1) FLECHTEN  (LICHENES)

Flechten sind genau genommen keine eigene Gruppe von Lebewesen, da sie immer aus
einer Alge und einem Pilz bestehen. Früher wurden sie den Moosen zugeordnet, heute spricht man von einer
„ernährungsbiologischen Gruppe“ und stellt sie als besondere Pilzformen dar.
Diese Form der Systematisierung ist jedoch ebenfalls nicht unumstritten.
Flechten sind ein Beispiel für eine perfekte Symbiose (= Zusammenleben zum gegenseitigen Vorteil) von
Organismen. Dabei wird der Pilz von der Alge mit Kohlenhydraten (verschiedene Zucker) versorgt, welche
diese durch Photosynthese mit Hilfe des Chlorophylls (grüner Blattfarbstoff) und Sonnenlicht aus Wasser und
Kohlenstoffdioxid gewinnt. Die Alge wird durch den Pilz vor zu starker Trockenheit und Hitze sowie extremer
UV-Strahlung geschützt. Interessant ist dabei, dass dieses Zusammenleben nur an speziellen Standorten gut
funktioniert. Sind die Bedingungen für einen der beiden Partner optimal, überwuchert er den anderen und tötet
ihn somit. Die Symbiose funktioniert also nur bei für das einzelne  Lebewesen ungünstigen Bedingungen
(„Hungersymbiose“). Während flechtenbildende Pilze in der Natur praktisch nie ohne einen Algenpartner zu
finden sind (im Labor kann man sie jedoch unter Optimalbedingungen auch ohne Alge züchten) kommen die
meisten flechtenbildenden Algen auch ohne Pilzpartner vor.
Flechten reagieren sehr empfindlich auf Umweltveränderungen, besonders die Veränderung der
Luftfeuchtigkeit und der erhöhte Anteil von Schadgasen (besonders Schwefeldioxid) führt zum schnellen
Verschwinden einer großen Anzahl von Arten.
Das Wachstum von Flechten liegt zwischen 1mm (Krustenflechten) und 2-3cm (Blattflechten) pro Jahr.
Während Strauchflechten mindestes 10 Jahre alt werden können Krustenflechten auch 100 und mehr Jahre
erreichen.
Da Flechten über keinen effektiven Verdunstungsschutz verfügen trocknen sie sehr leicht aus.
Sie sind jedoch in der Lage, in trockenem Zustand mehrere Monate zu überleben und so Temperaturen
zwischen -20 und 70 °C zu ertragen. Einige Arten überstanden sogar -196°C bzw. 100°C.

Wuchsformen:
(1) Haarflechten: winzige, haarförmige Grün- oder Blaualgen welche von einem Mantel aus                
          Pilzhyphen (=Pilzfäden) umhüllt sind
(2) Gallertflechten: Körper aus von Blaualgen produziertem Gallert mit Pilzfäden durchzogen
(3) Krustenflechten: Körper vom Pilz gebildet, gesamte Unterseite mit Untergrund
                           verwachsen
(4) Blattflechten: Körper nur zu Teil am Untergrund befestigt, ist der Körper nur an einem
                       Punkt befestigt, spricht man von Nabelflechten
(5) Strauchflechten: Körper teilweise blattartig aufgerichtet, wenn dünne drehrunde Fäden
                           ausgebildet werden spricht man von Bartflechten

Fortpflanzung:
(1) über vom Pilz gebildete Sporen
(2) durch Bruchstücke (zufällig entstanden oder von der Flechte gebildet)






(2) MOOSE  (BRYOPHYTA)

Bei den Moosen unterscheidet man 2 große Gruppen nach ihrem Aussehen. Die nicht in Stängel und Blätter
gegliederten Arten nennt man Lebermoose, ist eine Gliederung vorhanden spricht man von Laubmoosen.
Beide Gruppen können sehr unterschiedlich gebaut sein, allen Moosen gemeinsam ist jedoch das Fehlen
echter Wurzeln. Sie besitzen nur einfache Zellfäden, welche man als Rhizoide bezeichnet.
Die geschlechtliche Fortpflanzung der Moose erfolgt über einen so genannten Generationswechsel in 2
Abschnitten an dessen Ende die Bildung von Sporen in speziellen Sporenkapseln steht. Moose sind deshalb
keine Samenpflanzen. Viele Moose können sich auch ungeschlechtlich vermehren. Dabei werden Teile der
Pflanze (meist die Blattspitzen) abgeschnürt (so genannte „Brutknospen“), diese fallen zu Boden und es kann
sich eine neue Moospflanze entwickeln.
Moose sind bis auf ganz wenige Ausnahmen Landpflanzen, welche wegen des fehlenden
Verdunstungsschutzes meist an feuchten und schattigen Stellen wachsen. Einige Arten können jedoch Hitze
und Trockenheit überstehen und wachsen zum Beispiel auf freien Felsen.
Dabei können Temperaturen von 70°C und lange Trockenzeiten (bis 14 Jahre) ertragen werden. Ein weiteres
wichtiges Merkmal von Moosen ist ihre Anpassung an wenig Sonnenlicht. Sie können bereits mit 0,1 % des
normalen Tageslichtes überleben und sind deshalb die häufigsten Pflanzen in schattigen Wäldern oder
Höhlen. Aus dem Vorkommen bestimmter Moosarten kann man Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit
ziehen, so findet man Torfmoose immer auf sauren Böden (pH-Wert 3-4), andere Arten wiederum nur auf
kalkhaltigem (basischen) Untergrund.
Moose besitzen eine enorme Bedeutung als Wasserspeicher der Wälder, sie können ein Vielfaches ihres
Eigengewichtes an Wasser aufnehmen. Moospolster bilden aber auch vielfältige Lebensräume für viele
tierische Kleinstlebewesen und tragen wesentlich dazu bei, die Bodenabtragung durch Regenwasser (Erosion)
gering zu halten.


(3) FARNE  (PTERIDOPHYTA)

Zu den Farnpflanzen gehören neben den eigentlichen Farnen auch die Bärlappe und Schachtelhalme. Die
heute noch vorhandenen Arten sind die Reste einer ehemals mächtigen Pflanzengruppe, welche vor etwa 200
Millionen Jahren die Bildung der Steinkohle ermöglichten (Devon / Karbon). Farne sind als echte
Sprosspflanzen in Wurzel, Stängel und Blätter gegliedert. Dabei können die Stängel bei einigen Arten
(tropische Baumfarne) die Stärke von Baumstämmen erreichen, die meisten Stängel der hier vorkommenden
Farne sind jedoch dünner und wachsen waagerecht über oder unter der Erde (Rhizom). Typisch für die
in  Europa wachsenden Farne sind auch die großen, meist geteilten Blätter (Farnwedel).
Farne pflanzen sich wie Moose durch Sporen fort und sind deshalb keine Samenpflanzen. Auch Farne besitzen
einen Generationswechsel als dessen Ergebnis die Bildung der zur Vermehrung benötigten Sporen steht.
Diese findet man häufig in Form kleiner Häufchen (Sori) an der Blattunterseite.
Farne bevorzugen ebenfalls feuchte und schattige Standorte für ihr Wachstum. Deshalb gedeihen die meisten
Arten in den tropischen Regenwäldern und nur ganz wenige Ausnahmen sind durch spezielle Eigenschaften
(Schuppen oder Haare) an Trockenheit angepasst. Sehr selten sind auch im Wasser lebende Farne. Vom
Menschen stark beeinflusste Gebiete wie Siedlungen und Ackerflächen werden von Farnen gemieden.
Autor & Bilder:
Michael Vogt
Bartflechte
Bartflechte
Blattflechte
Blattflechte
Blattflechte
Blattflechte
Blattflechte
Blattflechte
Blattflechte